Digitale Lehre im MeCuM - Wegweiser für Lehrende

1. Allgemeines

1.2. Empfehlungen zur digitalen Didaktik (DAM)

Digitale Lehre im Sommersemester 2020 – Empfehlungen zur digitalen Didaktik des Instituts für Didaktik und Ausbildungsforschung

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir freuen uns über Ihr Engagement und Ihre Flexibilität, die Lehre im Sommersemester 2020 digital zu gestalten. Dabei sind wir uns sehr bewusst, wie schwierig es ist, unter den gegebenen Bedingungen die klinische Versorgung unter hohem Zeitdruck umzustellen, die Forschung kontrolliert umzusteuern und gleichzeitig auch noch digitale Lehrangebote zu schaffen. Vielen Dank dafür, dass Sie sich darauf einlassen und sehr viele von Ihnen in den letzten Tagen schon mit der Aufzeichnung von digitalen Unterrichtseinheiten begonnen haben. Damit schaffen wir eine gute Grundlage für die digitale Lehre im Sommersemester. Eine reichhaltige Anleitung finden Sie auf der Startseite unserer Moodle-Plattform unter https://www.med.moodle.elearning.lmu.de/

Jetzt geht es um die möglichst wirksame Integration der erstellten Unterrichtsmaterialien in ein Lehr- und Lernkonzept: Der Lerneffekt eines Präsenzstudiums beruht zu einem wesentlichen Teil auf aktiver Auseinandersetzung mit den Lerninhalten. Daher ist es nicht zielführend, die gesamte Präsenzzeit einfach durch Videoaufzeichnungen („Konserven“) zu ersetzen. Reines Zuhören, wie beim Konsum von (Video-) Präsentationen trägt nur wenig zum nachhaltigen Lernen bei:

Vielmehr ist es wichtig, die Studierenden gezielt anzuleiten, sich aktiv mit den jeweiligen Themen auseinanderzusetzen, Verständnis zu erzeugen und auch den Aufbau von Fertigkeiten zu unterstützen.

„Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.“ (Konfuzius)

Daher möchten wir für unsere Studierenden im Sommersemester nicht nur digitale Ressourcen bereitstellen, sondern diese in ein Lehr-/Lernkonzept einbinden. Als Grundkonzept soll dabei das Inverted-Classroom-Model Anwendung finden.       

 

Inverted Classroom als Grundkonzept für digitale Lehre im Sommersemester 2020

Bei der "Inverted Classroom Methode (ICM)" werden die üblichen Aktivitäten innerhalb und außerhalb des Hörsaals „umgedreht”. Die Studierenden eignen sich die von den Lehrenden digital zur Verfügung gestellten Inhalte eigenständig an. Die Präsenzveranstaltung (die bei uns bis auf Weiteres ebenfalls digital stattfinden muss) wird zur gemeinsamen Vertiefung und Anwendung des Gelernten genutzt.

Für beide Lernphasen möchten wir unseren Studierenden fürs Sommersemester Unterstützung bieten:

  1. Bereitstellung digitaler Ressourcen zum eigenständigen Lernen (Asynchrone Lehrformate)
  2. Aufgaben zur Vertiefung, Verarbeitung und Anwendung der Inhalte (siehe "Aktivierung" weiter unten)
  3. Synchrone Lehrformate z.B. über Zoom oder WebEncounter zum aktiven Austausch und zur Anwendung des Gelernten

 

 

Ressourcen bereitstellen und Lernprozess anleiten

Mit der Produktion von Lernmaterial haben Sie bereits begonnen. Neben der Aufzeichnung eigener Lehrveranstaltungen kann auch die Auswahl, Bewertung und Nutzung bereits existierender Produktionen eine sinnvolle Alternative sein, um Ihren Studierenden möglichst vielfältiges Lernmaterial zur Verfügung stellen zu können.

Wenn Sie Hilfe bei der Auswahl von Material aus E-Books, AMBOSS, oder anderen Quellen (auch Ressourcen anderer Fakultäten stehen uns zur Verfügung) benötigen, wenden Sie sich gerne an Ihre jeweiligen Fachverantwortlichen oder die Block- und ModulkoordinatorInnen sowie das Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin unter didaktik.kurse@med.uni-muenchen.de

Um den Lernprozess in der Selbstlernphase für die Studierenden anzuleiten und die Lernmaterialien strukturiert in Moodle einzubetten, sollen diese didaktisch eingebunden werden. Dazu benötigen wir:

  • Einen Anleitungstext mit den jeweiligen Lernzielen (z.B.: „Nach diesem Training sollten sie die Funktion von … erklären können.")
  • Definition von Lernschritten zur Strukturierung der Lerneinheit (z.B.: „Lesen Sie den Buchauszug …, sehen Sie sich danach das kurze Video … an“)

Aktivierung - „Make your students work”

Zur Vertiefung und Verarbeitung des Gelernten können Sie Ihren Studierenden online Aufgaben stellen, die im Zusammenhang mit den zur Verfügung gestellten Lernmaterialien stehen. Die Aufgaben sollten auf die Anwendung der Inhalte abzielen, die in den Screencasts und Lernmaterialien vermittelt wurden.

 

Einige Beispiele für asynchrone Lehr- und Lernaktivitäten:

  • Aufgaben mit Musterlösungen auf Moodle: „Formulieren Sie die drei wichtigsten Kennzeichen von … schriftlich und vergleichen Sie anschließend mit der Musterlösung“ → Die Musterlösung können Sie dann auf Moodle ablegen und z.B. auch erst ab einem bestimmten Zeitpunkt sichtbar machen.
  • Fall- oder patientenbezogene Aufgaben mit Upload und Feedback; die Bearbeitung erfolgt schriftlich und individuell durch jede/n Studierende/n, Lösungen können in Moodle hochgeladen werden. Anschließend können Sie auf der Grundlage eines vordefinierten Bewertungsschlüssels ein inhaltliches Feedback geben.
  • Quizze: in Moodle haben Sie die Möglichkeit, Quizze mit verschiedenen Fragentypen einfach selber zu erstellen – nutzen Sie diese effektive Möglichkeit, um Ihren Studierenden bei der Verarbeitung und Verankerung des Gelernten zu helfen.
  • Lernzielkontrolle mit passgenauen IMPP-Fragensitzungen: im Dozentenbereich von AMBOSS können Sie aus über 19.000 originalen IMPP-Fragen die passenden auswählen und Ihren Studierenden zur Verfügung stellen. Für den Dozierendenzugang registrieren Sie sich unter https://www.amboss.com/de/account/register und schreiben Sie dann eine E-Mail an didaktik.kurse@med.uni-muenchen.de. Wir kümmern uns um die Freischaltung des Dozentenbereichs.
  • Elektronische Fallseminare: ausgehend von klinischen Fallvignetten werden Fragen zum diagnostischen und therapeutischen Vorgehen (sog. „Key Feature“-Fragen) gestellt. Die Antworten müssen von den Studierenden selbst eingegeben werden und können nicht aus einer Liste von 5 Optionen ausgewählt werden. Auch hier kann auf zahlreiche bereits vorliegende Fälle zurückgegriffen werden, z.B. aus dem Projekt “Klug entscheiden in der Medizin” der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

 

Darüber hinaus gibt es auch synchrone Möglichkeiten, Studierende zur aktiven Auseinandersetzung mit den Lerninhalten anzuleiten:

  • Tutorials/fallbezogener Kleingruppenunterricht über Zoom: die Tutorials können planmäßig stattfinden, die Kleingruppen können per Zoom-Konferenz miteinander arbeiten. Hierbei gibt es auch die Möglichkeit sog. Breakout-Sessions: Dabei können Sie in Ihrem Meeting Untergruppen bilden, die für sich einen eigenen „Raum“ belegen. Darin kann dann zum Beispiel Kleingruppenarbeit durchgeführt werden. Die Teilnehmenden können jederzeit in den Hauptraum zurückkehren, die Dozierenden können außerdem zwischen den Breakout-Räumen wechseln.      
    Für den Fall, dass Dozierende kurzfristig durch klinische Versorgungsengpässe verhindert sind, werden als Back-Up studentische TutorInnen entsprechend geschult.
  • Einsatz von Audience-Response-Systemen in synchronen Veranstaltungen: z.B. OnlineTED: https://app.onlineted.de/register
  • Clinical Case Discussions (CCDs): Fälle können im Vorfeld der Veranstaltung online zur Verfügung gestellt und in synchroner Veranstaltung strukturiert vorgestellt und diskutiert werden. Ein/e geschulte/r Peer-Moderator/in lenkt und strukturiert die Diskussion, dokumentiert Ideen und Ergebnisse. 

 

Auch das Einüben von Fertigkeiten muss nicht zwingend entfallen. Je nachdem, wie viel Ausstattung notwendig ist, können zuhause oder auch (einzeln) im ZeUS Skills nach einem Video-Tutorial eingeübt werden:

Peyton digital:

4-schrittiges Video-Format, angelehnt an die sogenannte Peyton-Methode zum strukturierten Erlernen von praktischen Fertigkeiten. Die ersten 2 Schritte werden vom Lehrenden durchgeführt:

  • Schritt 1: Lehrender/Peer erstellt Video, in dem die Fertigkeit insgesamt gezeigt wird. Das Video kommentiert die Fertigkeit nicht, diese wird kurz angekündigt und dann in normaler Geschwindigkeit durchgeführt.
  • Schritt 2: Lehrender/Peer erstellt Video, in dem die Fertigkeit in einzelne Phasen zerlegt gezeigt und erläutert wird. Jede Phase wird im Audio-Kommentar mit einem prägnanten Titel versehen und sorgfältig kommentiert.
  • Schritt 3: Kommentierung durch die Studierenden: Während das Video der Phasen (ohne Ton) läuft, sollen die Phasen in der richtigen Reihenfolge genannt werden. Dieser Schritt kann entweder in einem Webinar interaktiv erfolgen, in dem die Teilnehmer die Vorführung der Fertigkeit durch Lehrende kommentieren. Die Reihenfolge der Phasen kann aber auch in Moodle als Zuordnungsaufgabe abgefragt werden.
  • Schritt 4: Die Fertigkeit soll nun selbst durchgeführt werden. Dabei kommentieren die Studierenden ihr Handeln. Im Webinar können die Studierenden die Fertigkeit direkt vorführen und Feedback erhalten. Alternativ können Studierende sich bei der Ausübung der Fertigkeit (ggf. im ZeUS) auch selber filmen und das Ergebnis in Moodle hochladen. Ganz ohne Technik kann dieser Schritt auch als einfache Handlungsanweisung zum Selbsttraining gegeben werden.

 

Wir nehmen Feedback, Anregungen und Vorschläge zur digitalen Didaktik gerne unter didaktik.kurse@med.uni-muenchen.de entgegen und geben diese beherzt weiter.